Aus der Werkstatt X

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Am Dienstag habe ich den zweiten Band von Pandaemonia beendet. Mit 557 Seiten und 43 Kapiteln ist das Skript um einiges länger geworden als Band I. Allerdings ist es noch nicht ganz fertig - es handelt sich um die erste Fassung, die ich in den nächsten Wochen bis zum Abgabetermin korrekturlesen und überarbeiten werde.

Die erste Fassung eines Manuskripts abzuschließen ist für mich kein Moment ungetrübter Freude, auch diesmal nicht. Dafür überwiegen zu sehr die Zweifel: Ist die Geschichte zu lang oder zu kurz? Sind die Dialoge lebendig? Habe ich jeden Charakter, jeden Handlungsstrang so in Szene gesetzt, dass er den Leser emotional anspricht und sein Interesse an der Story wachhält? Enthält das Skript Löcher in der Logik und Schwächen in der Glaubwürdigkeit, die es nötig machen, größere Passagen umzuschreiben? Solche Zweifel sind kein Grund zur Sorge - ich habe gelernt, sie als Teil des Schreibprozesses zu akzeptieren, denn sie helfen mir, die Geschichte zu hinterfragen, das Beste herauszuholen und mich nicht mit Mittelmaß zufrieden zu geben. Erfahrungsgemäß legen sie sich, wenn ich das Skript zum ersten Mal am Stück gelesen habe und weiß, wo etwaige Schwächen liegen und was ich tun muss, um sie zu beheben. Zufrieden bin ich erst, wenn die Überarbeitung abgeschlossen ist. Denn erst dann ist der Roman wirklich fertig.

Der Arbeitstitel von Band II lautet Die Stadt der Seelen, und momentan deutet einiges darauf hin, dass das auch der endgültige Titel wird. Ende letzter Woche habe ich vom Verlag zwei Entwürfe für das Cover bekommen. Beide führen Aufbau und Stil des Covers von Band I weiter - der übrigens den Arbeitstitel Der Traumwanderer trägt, falls ich das noch nicht erwähnt habe - d.h. sie zeigen einen der Protagonisten sowie einen für die Reihe bedeutenden Schauplatz. Obwohl es noch fast ein Jahr dauert, bis Band I erscheint, wird die Sache also immer konkreter. Vielleicht ein guter Zeitpunkt, um ein bisschen über die Geschichte von Pandaemonia zu erzählen.

Pandaemonia handelt von vielem: von einer Stadt und ihren Bewohnern; von Unterdrückung und Rebellion; von Macht und ihren Auswirkungen auf die, die sie besitzen; vom Verschwinden der Magie in einer Welt, die sich der Wissenschaft verschrieben hat; von Krähen, Dämonen, Alchemie, Aether, bizarren Maschinen und Dingen, die in den Schatten lauern - und von Träumen. In der Welt von Pandaemonia haben Träume große Macht und beeinflussen nicht nur in hohem Maß das Leben der Menschen, sondern sind außerdem eng mit dem Gefüge der Welt und besonders dem titelgebenden Pandaemonium, dem Reich der Dämonen, verknüpft.

Nun ist es nicht ganz einfach, über Träume zu schreiben. Einige Autoren der Phantastik haben dieses Thema bereits ausführlich behandelt: Lovecraft bespielsweise in seinem Dream Cycle, Neil Gaiman in seinem Sandman oder auch Carlos Castaneda (wenn man so großzügig sein will, ihn der Phantastik zuzurechnen). Folglich ist es mir nicht leichtgefallen, etwas Neues über Träume zu erzählen, eine passende und "frische" Mythologie dazu zu entwerfen und mich gleichzeitig nicht zu weit von den gängigen Vorstellungen zu enfernen (denn das ist bei etwas, das jeder aus eigener Erfahrung kennt, selten eine gute Idee).

Noch schwieriger aber ist es, so über Träume zu schreiben, dass Leser das Buch nicht in der Mitte weglegen. Ich mag es selbst nicht besonders, wenn in einem Roman Träume von Figuren beschrieben werden. Oft ist das verschwurbelt und surreal, es hat keine Funktion für die Story und steht nur deshalb da, weil der Autor offenbar endlich einmal richtig "frei" schreiben wollte, ohne die lästigen Beschränkungen, die einem Logik und Dramaturgie auferlegen. Das habe ich versucht zu vermeiden, indem ich schon in meinem Storykonzept festgelegt habe, welchem Zweck Träume in Pandaemonia dienen und wie sie sich auf die Geschichte auswirken - vergleichbar mit der Magie in guten Fantasywelten, wo sie auch nicht willkürlich eingesetzt werden kann, sondern eindeutigen Gesetzen gehorcht, auch wenn diese nicht auf den ersten Blick erkennbar sind.

Ich bin gespannt, wie die Leser diesen Aspekt der Geschichte aufnehmen.

Kommentare

#1 Ich bin wirklich gespannt...

... auf die Reihe.

Schön, dass Du auch diese Zweifel beschreibst.
Ich kann mir vorstellen, dass dies nicht jeder Autor machen würde.
Und der Einblick in deinen Schaffensprozess auch ist immer wieder interessant.
Danke schön!

Gruß,
Teich

 

 

 

 

#2 Hallo Teich!

Zweifel beim Schreiben sind eine ganz normale Sache. Fast alle Autoren, die ich kenne, kämpfen hin und wieder damit. Kreative Prozesse laufen selten glatt, routiniert und störungsfrei ab, und nur wer seine Arbeit hinterfragt, kann sich weiterentwickeln.

Christoph

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