Aus der Werkstatt XI
Seit anderthalb Wochen überarbeite ich das Manuskript von Pandaemonia II. Überarbeiten heißt diesmal hauptsächlich: kürzen. Was das konkret heißt, sieht man an der Beispielseite unten (zum Vergrößern anklicken und anschließend auf das Maximieren-Symbol unter dem Bild klicken).
Im ersten Absatz habe ich hier eine überflüssige Innenansicht bzw. eine unnötige Ankündigung zukünftiger Ereignisse gestrichen und weiter unten eine Landschaftsbeschreibung gestrafft, weil der Leser den fraglichen Schauplatz zu diesem Zeitpunkt schon recht gut kennt. So ähnlich verfahre ich mit jeder Manuskriptseite und jeder Szene: Redundanzen werden gelöscht und überlange Dialoge, Figureninnenansichten und Schauplatzbeschreibungen auf das notwendige Maß gekürzt, um das Tempo der Geschichte und die Dramatik zu erhöhen. Auf diese Weise habe ich das Skript bereits um 35 Seiten gekürzt. Ich schätze, wenn ich fertig bin, werden es etwa 50 sein.
Straffen ist ein notwendiger Prozess des Überarbeitens, denn welche Passage für die Geschichte notwendig ist und welche nicht, kann man oft erst beurteilen, wenn das Manuskript fertig ist und man es mit etwas Abstand das erste Mal liest. Hier und da müssen allerdings auch neue Passagen eingefügt werden, um das Verständnis der Geschichte zu erleichtern oder die Entwicklung der Figuren klarer darzustellen. So ist mir beispielsweise beim Lesen des Skripts aufgefallen, dass die Beziehung von zwei Figuren in der zweiten Hälfte nicht deutlich genug herauskommt. Deshalb habe ich eine neue Szene geschrieben, die diesen Konflikt noch einmal thematisiert.
Heute bin ich mit dem ersten Überarbeitungsdurchgang fertig geworden. Jetzt mache ich mir einen neuen Ausdruck des Skripts und lese es mir noch einmal durch. Nun, da die Plotlöcher der Geschichte gestopft sind, kümmere ich mich um den sprachlichen Ausdruck, sprich, ich verbessere misslungene Formulierungen und merze stilistische Holperer aus.



Kommentare
#1 Überarbeiten
Bei mir läuft es ähnlich. Auch wenn alle Schreibenden individuelle Vorgehensweisen haben, geht es letztendlich immer um den Text. In einer ersten Phase achte ich auf Plotlöcher und merze dabei die Schachstellen der Formulierungen aus, die mir geradezu ins Auge springen. Später mache ich mich getrennt an Plot und Sprachstil.
Im Grunde läuft es wie bei einem berühmten Fußballtrainer ab, der angetreten ist, seine Spieler jeden Tag ein Stück besser zu machen. Der Autor will das mit seinem Text. Und anstelle der Co-Trainer nutzt der Autor fachkundige Hilfe seines Lektors. Im Gegensatz zu dem Fußballtrainer kann der Autor gar nicht scheitern. Denn wer sich ernsthaft an die Überarbeitung macht, der sieht, das ein Text an Qualität gewinnt.
#2 Überarbeiten
Lieber Gast,
scheitern kann man immer ;-)
Wichtig beim Überarbeiten ist m.E., dass man weiß, wo man mit dem Text hin will. Man muss sich klar darüber werden, welcher "Ton" der Geschichte angemessen ist, um alles zu streichen oder zu ändern, das nicht dazu passt. Dasselbe gilt für das Tempo, die "Actionlastigkeit", die Informationsdichte, die Art der Dialogführung usw. All diese Aspekte sind in jedem Text anders gewichtet, und man muss herausfinden, ob man von dieser oder jener Zutat zu viel oder zu wenig in den Topf geworfen hat. Weswegen Überarbeiten hauptsächlich Denkarbeit ist.
Und richtig, ein Lektor, der die Geschichte mit anderen Augen betrachtet, ist da eine große Hilfe.
Christoph Lode