Neues Interview

Andreas Wilhelm hat für den Federwelt-Newsletter Nr. 121 ein kurzes, aber interessantes Interview mit mir geführt. In "3 Fragen an ... Christoph Lode" unterhalten wir uns u.a. über die Schwierigkeit, einen Verlag zu finden, den Bruch mit Genrekonventionen und die Pandaemonia-Reihe:

F: Christoph, dein Werdegang straft alle Gerüchte Lügen, es gäbe kaum eine Möglichkeit für neue Autoren, veröffentlicht zu werden. Du bist einer der Autoren, die scheinbar aus dem Nichts zunächst bei einer renommierten Literaturagentur gelandet sind und schon wenig später einen Vertrag bei einem großen Verlag erhalten haben. Und nicht nur diesen, sondern auch gleich für einen Folgeroman. Kam das tatsächlich aus dem Nichts? Wie lang und steinig war der Weg zu deinem ersten Buch, was hat dir auf dem Weg geholfen, und was denkst du, hat schließlich den Ausschlag für deinen Erfolg gegeben?

A: Nein, aus dem Nichts kam das nicht. Bevor es mit "Der Gesandte des Papstes" geklappt hat, habe ich drei Romane geschrieben. Einem Verlag angeboten habe ich diese "Frühwerke" jedoch nicht, denn mir war klar, dass sie noch nicht reif für eine Veröffentlichung waren. Ich habe sie geschrieben, um meinen Stil zu entwickeln, mich von meinen Vorbildern zu emanzipieren und vor allem, um herauszufinden: Was will und kann ich überhaupt erzählen? Ich habe früher Musik gemacht und wusste daher, dass man erst einmal ein paar Jahre üben muss, bevor man so weit ist, vor ein Publikum zu treten. Ich glaube, dass man das auf das Schreiben übertragen kann. Mir hat diese Sichtweise geholfen, meine schreiberischen Fähigkeiten in Ruhe zu entwickeln und mich nicht unter Druck zu setzen. Ob das letztlich den Ausschlag für den Erfolg gegeben hat? Schwer zu sagen – Erfolg hängt von vielen Faktoren ab, man braucht immer auch Glück. Ganz sicher aber konnte ich so ein solides handwerkliches Fundament aufbauen, das man benötigt, um langfristig als Autor zu arbeiten.

F: Deine bisherigen Veröffentlichungen waren spannende historische Romane, allerdings hatten sie jeweils auch ein phantastisches Element, was in diesem Genre sehr unüblich ist. Warum hast du diesen Weg gewählt, und wie sind deine Erfahrungen damit – zum einen beim Schreiben selbst, aber letztlich auch bei den Lesern?

A: Mit solchen Genrekonventionen und der Frage "Was ist üblich oder nicht?" habe ich mich damals überhaupt nicht beschäftigt. Ich wollte einfach Romane schreiben, wie ich sie selbst gerne lesen würde. Seit meiner Jugend liebe ich Phantastik in allen Formen, deshalb war es nur folgerichtig, dass ich in diesem Bereich schreiben würde. Denn letztlich sind meine ersten beiden Bücher keine historischen Romane, sondern phantastische, nur dass sie nicht in einer Fantasywelt spielen, sondern in einer leicht verfremdeten und mystifizierten Version des irdischen Mittelalters. Ich finde diese Art der Phantastik sehr spannend, denn sie hat mir die Möglichkeit eröffnet, das magische Denken der mittelalterlichen Menschen gewissermaßen "beim Wort" zu nehmen und Aspekte des damaligen Aberglaubens real werden zu lassen. Die geheimnisvolle und düstere Atmosphäre, die dadurch entsteht, konnte ich nutzen, um unverbrauchte und ungewöhnliche Geschichten zu erzählen.

Nach meinen bisherigen Erfahrungen kann ich sagen, dass viele Leser die Verknüpfung von Realem mit Phantastischem mögen und sich freuen, einmal einen historischen Roman abseits der üblichen Pfade zu lesen. Natürlich gibt es auch Leser, die den magischen Elementen mit Skepsis begegnen. Aber das ist ein Risiko, das man immer eingeht, wenn man von den bekannten erzählerischen Formen abweicht.

F: Du berichtest in deinem Blog, dass du neben einem dritten historischen Roman zeitgleich auch eine dreiteilige Fantasy-Serie für Jugendliche und Erwachsenen schreibst. Ist das für dich ein allgemeiner Richtungsschwenk, eine Neuorientierung? Es ist ja nicht nur ein neues Genre, sondern außerdem altersmäßig eine andere Zielgruppe. Wie bist du dazu gekommen, und wie siehst du dein Profil als Autor in der Zukunft?

A: Für mich ist das keine grundsätzliche Neuorientierung. Wie gesagt, ich fühle mich ja schon immer der Phantastik zugehörig und ordne auch meine anderen Romane da ein. Ob die "Pandæmonia"-Reihe wirklich eine andere Zielgruppe anspricht, kann ich nicht sagen. Ich glaube, solche Vermarktungsfragen sind beim Verlag oder bei der Agentur besser aufgehoben – Autoren sollten schreiben und sich nicht zu viele Gedanken über Zielgruppen und dergleichen machen; das behindert nur.

Der größte Unterschied zwischen meinen ersten beiden Romanen und der "Pandæmonia"-Reihe besteht für mich darin, dass "Pandæmonia" auf einer Fantasywelt spielt, ich also eine vollständige Welt mit ihren ganz eigenen Gesetzmäßigkeiten und Bewohnern entwerfen musste, bevor ich mit dem Schreiben anfangen konnte. Das war eine neue und interessante Erfahrung, und ich bin schon gespannt, ob es den Lesern genauso viel Freude wie mir macht, die Metropole Bradost mit ihren aetherbetriebenen Luftschiffen, ihren Kanälen, Katakomben und rauchverhangenen Manufakturen zu erkunden.

Was die Zukunft bringt? 2011 erscheint bei Goldmann mein dritter historisch-phantastischer Roman, die Fortsetzung von "Der Gesandte des Papstes", die außerdem die Verbindung zu meinem Zweitling "Das Vermächtnis der Seherin" herstellt. Damit bilden diese drei Romane eine Einheit und beenden die Geschichte von Raoul von Bazerat, der Djinn Jada bint-Ghassan und der Gauklerin Rahel. Gerade habe ich mit der Arbeit am dritten Band von "Pandæmonia" angefangen. Was ich danach schreibe, weiß ich noch nicht. Ich glaube, es wird etwas sein, das an die Vorgängerromane anknüpft und gleichzeitig in eine ganz neue Richtung geht.

Copyright 2010 Christoph Lode