Der historische-romane.de Fragebogen

Christoph Lode im März 2008

 

HR: Welches Buch lesen Sie gerade?

Christoph Lode: Gisbert Haefs, Das Schwert von Karthago, und Neal Stephenson, Snow Crash.

HR: Was ist Ihre liebste Romanfigur und was verkörpert sie für Sie?

Christoph Lode: Tyrion Lannister, der kleinwüchsige Fürstensohn aus George Martins „Das Lied von Eis und Feuer“, der beweist, dass man mit Humor und Schläue selbst unerträgliche Situationen überstehen kann.

HR: Wie sieht ein perfekter Tag für Sie aus? Womit verbringen Sie gerne Ihre Zeit?

Christoph Lode: Perfekte Tage sind selten, und keiner gleicht dem anderen. Meine Zeit verbringe ich nach Möglichkeit mit den üblichen angenehmen Dingen: ausschlafen, lesen, gut essen und Wein trinken, Kino ...

HR: Was ist Ihr nächstes Reiseziel?

Christoph Lode: Wahrscheinlich Neuengland.

HR: Wie würden Sie sich mit drei Worten beschreiben?

Christoph Lode: Diese Frage kann ich nicht beantworten.

HR: Was würden Sie in der Welt verändern, wenn Sie die Möglichkeit dazu hätten?

Christoph Lode: Dass die Leute weniger reden und dafür mehr denken.

HR: Ihr schlimmster Albtraum?

Christoph Lode: Dass Dummheit und Ängstlichkeit eines Tages siegen und wir uns in einer Schönen Neuen Welt wiederfinden.

HR: Was macht den Reiz beim Schreiben aus? Was möchten Sie Ihren Lesern mitgeben?

Christoph Lode: Mir gefällt es, eine komplexe fiktive Welt zu konstruieren und mit Leben zu füllen. Meine Leser sollen Spaß daran haben, diese Welt zu erleben. Wenn sie dabei etwas mitnehmen, was sie zum Nachdenken bringt und verändert, habe ich mein Ziel erreicht.

HR: Wie gehen Sie vor, wenn Sie ein neues Buch beginnen und dafür recherchieren?

Christoph Lode: Zunächst skizziere ich die Idee in wenigen Sätzen. Dann trage ich sämtliche Einfälle zu der Geschichte in Notizbüchern und Dateien zusammen – ein Prozess, der Monate dauern kann. Währenddessen fange ich an zu recherchieren, indem ich mir via Internet einen groben Überblick über die Themen verschaffe und mich anschließend durch Fachliteratur arbeite. Wenn ich das Gefühl habe, dass genug Material zusammengekommen ist, ordne ich meine Notizen, forme daraus den Plot und arbeite die Charaktere aus. Sowie das Gerüst der Geschichte auf soliden Füßen steht, beginne ich mit dem Schreiben. Die Recherchen begleiten den Schreibprozess bis zum Ende, da ich immer wieder auf Dinge stoße – meist nur noch Details –, über die ich mich gründlich informieren muss.

HR: Was tun Sie bei einer Schreibblockade? Oder kennen Sie dieses Problem gar nicht?

Christoph Lode: Jede Schreibblockade hat Ursachen. Diese können in der Persönlichkeit des Autors zu finden sein, etwa in Form von zu hohen Ansprüchen an sich selbst – aber auch in den Lebensumständen oder im Text selbst. Behindern einen die Lebensumstände beim Schreiben, muss man sie ändern oder sich irgendwie damit arangieren. Kann man nicht mehr schreiben, weil man sich selbst im Weg steht, muss man sich damit auseinander setzen und gflls. seine Einstellungen zum Leben und zur Arbeit überdenken. Weist der Text Probleme auf, die zu einer Blockade geführt haben, muss man sie identifizieren und entfernen, auch wenn das bedeutet, lange Passagen zu verwerfen. Egal, worum es sich handelt, Schreibblockaden zu überwinden ist immer ein schmerzlicher Prozess, der sich aber – und hier spreche ich aus Erfahrung – lohnt.

HR: Worüber können Sie sich so richtig freuen?

Christoph Lode: Über gute Gespräche, die seltener sind, als man glaubt.

HR: Welcher Autor hat Sie maßgeblich beeinflusst?

Christoph Lode: George R. R. Martin und Ken Follett.

HR: Sind historische Romane geeignet Bildung zu vermitteln? Haben Autoren hier eine besondere Verantwortung?

Christoph Lode: Wirkliche Bildung können historische Romane m. E. nicht vermitteln, aber sie können sehr wohl den Anstoß geben, sich intensiver mit einer Epoche zu beschäftigen. Historische Romane sind keine Geschichtsbücher, und es ist schlimm, wenn sie sich wie welche lesen. Ich halte es für wichtiger, dass sie die Neugier des Lesers wecken, statt Fakten zu transportieren – Neugier auf eine bestimmte Ära, ein historisches Ereignis, eine bestimmte Person usw.
Im Historischen Roman hat der Autor dieselbe Verantwortung wie in jedem anderen Genre: Er muss wahrhaftig sein und die Menschen zeigen, wie sie wirklich sind. Er muss versuchen, der Gesamtheit aller Bücher etwas Neues hinzuzufügen – was heutzutage natürlich nur noch in Nuancen möglich ist.

HR: Welche historische Person würden Sie gerne einmal persönlich treffen?

Christoph Lode: Vytenis, den ersten Großfürsten der Litauer, obwohl wir uns vermutlich nicht viel zu sagen hätten.

HR: Haben Sie schon ein neues Projekt? Können Sie uns ein bisschen darüber erzählen?

Christoph Lode: Mein nächster Roman, der voraussichtlich Februar 2009 erscheint, spielt im Jahr 1270 in Frankreich und handelt von einer jungen jüdischen Gauklerin, die wider Willen einem uralten kabbalistischen Geheimnis auf die Spur kommt und sich damit mächtige Feinde schafft.

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